Albumrezension Anything That Sells PDF Print E-mail
Saturday, 18 September 2010 17:12

Siberian Fastfood – Anything That Sells

von Jörg Petermann

Um es vorweg zunehmen: Siberian Fastfood zwingt seine Hörer in die Endlosschleife. Jeder einzelne Song will wieder und wieder gehört werden. Was natürlich vor allem an den treibenden Grooves, den schnörkellosen Hooks und der außergewöhnlichen Stimme liegt, die zusammen einen Ohrwurm nach dem anderen erzeugen. Aber natürlich will unser Gehirn immer auch zuordnen. Und tatsächlich erinnert Platz’s ausdrucksstarke Stimme mitunter an die besten Zeiten von R.E.M., Midnight Oil oder auch Fury in the Slaughterhouse (und damit an jene wundervolle Indie-­‐Epoche, in der sich heutige Bands wie Jennifer Rostock, Jupiter Jones oder Thees Uhlmann eher aufgelöst hätten, als bei einem „Bundesvision Song Contest“ aufzutreten). Aber das Ohr straft jeder dieser Zuordnung Lügen.

Denn die melodischen Rocksongs von Siberian Fastfood haben immer auch etwas ganz Eigenes: interessante Songstrukturen, beinahe beängstigend eingängige Melodien und natürlich die verschiedenen Einflüsse der beteiligten Stuttgarter Topmusiker. So war Kaspar Neidigk (Gitarrist der Ska-­‐Legende NuSports) als Produzent tätig. Thomas Hahn (u.a. Frontmann von Jettison und Gitarrist bei Paucker sowie Mitinhaber und Produzent in den renommierten E.L.C.H Studios) spielte Gitarre. Sebastian Zimmermann (Leiter des Stuttgarter Bass Department) war am Bass und Oliver Meissner (Live-­‐Drummer u.a. für NuSports, The Juggins und Die dicken Kinder) am Schlagzeug die treibende Kraft. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind zehn wundervoll eingängige Songs:

Der kraftvolle Opener „History“ gibt gleich die Richtung des gesamten Albums vor: Die Songzeile „I wanna rock“ ist Programm – und die Musik hält von Beginn an, was die lyrics versprechen. Das folgende „Flowers“ ist ein extrem eingängiges Stück, mit dem die Band schon etliche Contests für sich gewinnen konnte, eben ein Publikumsliebling. „Hollow Words“ ist die Single des Albums -­‐ ein echter Hit mit ungewöhnlicher Songstruktur, der den Weg für die Band hin zum überregionalen Act bereiten dürfte. Die etwas ruhigeren „Heart in Pieces“ und „Chisinau Defense“ zeigen die nachdenklichere Seite der Band. Die Texte lassen einen interessanten Blick in deren Introspektive zu. Richtig gerockt wird dann wieder auf „Ticket to Paradise“: Hier stehen harte Gitarren-­‐Riffs (neben einem Hammer-­‐Solo) und natürlich der mitreißende Chorus im Vorder-­‐grund. Akustische Elemente, eine catchy Melodie und ein zuckersüße Worte machen „Sunny Afternoon“ zu einer Perle, die automatisch die Stimmung des Hörers

hebt. „Falling“ kommt dann wieder deutlich rougher daher, passend zu den eindringlichen Lyrics, die sich um die Themen Trost und Rückhalt drehen. Eine getragene schwere E-­‐Gitarre zieht sich durch „Stanley“, den Chorus dieses Stücks kriegt man nie wieder aus dem Ohr heraus. Das namengebende Stück „Anything That Sells“ beschließt das Album ruhig -­‐ und unterstreicht damit nochmals das breitgefächerte Spektrum der Band.

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Last Updated on Monday, 03 October 2011 16:19
 
 


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